So gelingt gesicherte Flexibilität bei komplexen Prozessen

Wenn ein Produktionsunternehmen mit Arbeitskräftemangel und hohen Produktionsanforderungen konfrontiert ist, erscheint Automatisierung als naheliegende Lösung. Die Herausforderung bei Schuster Bestuhlungen aus Kaiserslautern bestand jedoch nicht in der Automatisierung selbst, sondern darin, eine Lösung zu finden, die zu den tatsächlichen Arbeitsabläufen passt und von allen Mitarbeitenden akzeptiert wird – ohne die Erfolgsfaktoren des Unternehmens zu gefährden.
Seit über 30 Jahren liefert das familiengeführte Unternehmen Hörsaal- und Auditoriumbestuhlung für Bildungs- und öffentliche Einrichtungen in ganz Deutschland. Die Ansprüche an die Produkte sind hoch und müssen den vorgegebenen Standards entsprechen.
Was Schuster Bestuhlungen auszeichnet, ist die Fähigkeit, Komplettprojekte zu realisieren: von individuellen Präzisionsarbeiten aus Holz und Metall über Polsterung bis hin zur Montage vor Ort. Dieser integrierte Ansatz bietet Flexibilität, bringt aber auch Komplexität mit sich. Jede Abteilung muss reibungslos zusammenarbeiten. Engpässe in einem Bereich wirken sich auf den gesamten Arbeitsablauf aus.
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Das Einhalten dieser Standards beim Schweißen war manuell sehr aufwendig. Produkte wie Hörsaalständer und Bühnenunterkonstruktionen erforderten zahlreiche Schweißschritte, oft mit unterschiedlichen Schablonen und Werkzeugen für jedes Bauteil, für die häufig umgerüstet werden musste. Dafür mussten die Bauteile zwischen den einzelnen Stationen mehrfach manuell bewegt werden. Für ein Produkt waren in der Regel zwei bis drei Schweißer zeitgleich im Team erforderlich – ein immenser personeller Einsatz mit ebenso hohem Risiko.
Selbst bei gelernten Schweißfachkräften traten geringfügige Abweichungen der geschweißten Teile auf, auch schichtübergreifend. Diese Inkonsistenz führte mitunter zu Nacharbeitungen während der Montage. Die körperliche Belastung war beträchtlich: stundenlanges Arbeiten in Schweißpositionen, Belastung durch Rauch und Lichtbogen. Es wurde zunehmend schwieriger, qualifizierte Schweißfachkräfte zu finden, die bereit waren, unter diesen Bedingungen zu arbeiten.


Der Weg zur Automatisierung begann für Schuster Bestuhlungen vor über zehn Jahren mit einem CNC-Bearbeitungszentrum für die Holzbearbeitung. Diese Investition markierte einen Wendepunkt, denn sie vereinfachte Prozesse und steigerte die Effizienz: Ein Mitarbeiter bedient die Maschine, die anderen können sich auf Lackierung, Polsterarbeiten, Metallbearbeitung oder Montage konzentrieren. Die Präzision verbesserte sich merklich. Bohrungenauigkeiten, die zu Abweichungen von 2–3 mm führten, gehörten der Vergangenheit an.
Aus dieser positiven Erfahrung heraus entwickelte sich die Anregung, ebenso in anderen Bereichen Automatisierungsmöglichkeiten zu prüfen und die Mitarbeitenden so von monotonen Arbeiten zu entlasten. Intelligente Automatisierung sollte die menschlichen Fähigkeiten erweitern, statt sie zu ersetzen. Vor diesem Hintergrund befasste sich Schuster Bestuhlungen mit der Automatisierung des Schweißens.
Viele kommerzielle Lösungen waren jedoch für große Hersteller mit hoher Produktionsmenge und eigenen Entwicklungsteams konzipiert.
Eine Lösung für Schuster Bestuhlungen muss auch für kundenspezifische Projekte funktionieren und gleichzeitig die große Projektvielfalt bewältigen. Sie sollte eine möglichst ähnliche Flexibilität bieten wie das CNC-Bearbeitungszentrum und ebenso von Nicht-Fachkräften bedienbar sein. Die Wahl fiel auf den Schweiß-Cobot iBOTone® von ABICOR BINZEL. Der Spezialist für Schweißtechnik bot an, den iBOTone® im Produktionsalltag auf Herz und Nieren zu testen. Zwei Monate lang konnte das Team den Schweiß-Cobot unter realen Produktionsbedingungen selbst evaluieren, Fragen stellen und die Ergebnisse aus erster Hand erleben.
Der iBOTone® ist ein kollaborativer Schweißroboter, der die fortschrittliche Robotertechnologie von NEURA Robotics und die umfassende Schweißexpertise von ABICOR BINZEL vereint. Zum einen ist dieser Schweiß-Cobot ideal für den Einstieg in die Automatisierung. Zum anderen sichert sein einfaches Bedienen und die hohe Flexibilität eine gleichbeliebende Qualität selbst bei häufig wechselnden Schweißapplikationen. Der iBOTone® macht professionelle Schweißautomatisierung für Unternehmen jeder Größe zugänglich.
Die Bedienung ist denkbar einfach: Mit dem Easy-Teach-Handle lässt sich der Schweißbrenner sehr leicht von Position zu Position führen. Die einzelnen Wegpunkte können direkt am Brennerhalter gespeichert werden. Keine aufwendige Programmierung. Keine komplexen Schnittstellen.
Jeder kann innerhalb weniger Minuten das Schweißen neuer Teile einrichten und das System bedienen. Die schnelle Einführung überraschte selbst Schuster Bestuhlungen. Das Team war kurzfristig einsatzbereit und integrierte den iBOTone® in die Produktion von Bauteilen wie Sitzdrehhalterungen, Hörsaalständern und Stahlunterkonstruktionen für Bühnenplattformen.

„Der iBOTone® bietet uns beim Schweißen dieselbe Flexibilität und Effizienz, die uns unsere CNC-Maschine vor Jahren in der Holzbearbeitung ermöglicht hat. Aber jetzt kann jeder schweißen. Das ist ein echter Durchbruch für uns“, hebt Schuster Bestuhlungen Betriebsleiter Ronald Schunn hervor. „Angesichts des Fachkräftemangels und des Wunschs nach modernen, flexiblen Arbeitsplätzen sehen wir darin eine Chance, unser Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.“
Mittlerweile werden alle Schweißvorgänge mit dem iBOTone® ausgeführt. Die Implementierung dieses Schweiß-Cobots führte zu messbaren Verbesserungen in der Produktionseffizienz, der Qualität und den Arbeitsbedingungen:
Produktionseffizienz
Durch den Wegfall von Umrüstungen und manueller Mehrfachbearbeitung konnte die Schweißzeit pro Teil deutlich reduziert und gleichzeitig der Durchsatz erhöht werden. Ein Mitarbeiter bedient den Cobot und übernimmt gleichzeitig andere Produktionsaufgaben.
Qualität
Jede Schweißnaht gleicht der anderen – unabhängig der ausführenden Personen oder wechselnden Schichtbetrieben. Keine Nacharbeit. Keine Montageanpassungen. Die Bauteile passen jedes Mal perfekt. Auch die Anzahl von Ausschussteilen oder Mängel konnte deutlich reduziert werden.
Arbeitsbedingungen
Alle Mitarbeitenden sind deutlich weniger Belastungen durch Schweißrauch und durch Strahlung des Lichtbogens ausgesetzt. Die monotonen Arbeiten übernimmt der Schweiß-Cobot iBOTone®. Auch die körperliche Belastung hat sich verringert. Das moderne System zieht jüngere potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die sonst traditionelle Fertigungsberufe möglicherweise gemieden hätten.

Schuster Bestuhlungen hat durch die Automatisierung keine Mitarbeitenden verloren. Das Unternehmen setzt seine Fachkräfte nun gezielter ein. Qualifizierte Arbeitskräfte erledigen nun auch Installationen und Justierungen vor Ort – Aufgaben, die echtes Fachwissen und Problemlösungskompetenz erfordern. Das Unternehmen, das drei bis vier eigene Schweißer beschäftigt, hat seine Effizienz durch eine strategischere Teamzusammenstellung gesteigert. Diese Entwicklung wurde durch eine bessere Organisation und nicht durch Entlassungen erreicht.
Gleichzeitig stieg die Mitarbeiterzufriedenheit. Die Schweißfachkräfte können andere Aufgaben erledigen, während der Cobot schweißt. Sie müssen sich nicht mehr über längere Zeit auf ein Bauteil konzentrieren.
Für kleine und mittelgroße Fertigungsunternehmen stellt sich nicht die Frage, ob automatisiert werden soll, sondern wie intelligent dies geschehen kann. Die Geschichte von Schuster Bestuhlungen zeigt, dass fortschrittliche Robotik handwerkliches Können ergänzen kann, anstatt es zu ersetzen. Die richtige Technologie steigert die Effizienz, ohne die Erfolgsfaktoren eines Unternehmens zu beeinträchtigen. Sie unterstützt die Mitarbeiter, anstatt sie zu verdrängen. Sie schafft Arbeitsplätze, die junge Talente anziehen und gleichzeitig die Erfahrung langjähriger Teammitglieder wertschätzen.
Ronald Schunn erklärt das so: „Der Cobot entlastet unsere Mitarbeiter von monotonen, körperlich anstrengenden Aufgaben, sodass sie sich auf Tätigkeiten konzentrieren können, die echtes Fachwissen erfordern. Davon profitieren alle.“