Genusstechnik seit 1677

Wie KASPAR SCHULZ in Bamberg Biergeschichte schreibt
Wer in Bamberg ankommt, merkt schnell: Bier ist hier mehr als ein Genussgetränk, es ist Teil der Identität dieser Stadt. Kaum ein anderer Ort in Deutschland weist eine derart hohe Dichte an Brauereien auf – vom traditionsreichen Familienbetrieb bis zur modernen Craft‑Brauerei. Schon beim Aussteigen aus dem Auto bemerken wir den Duft von Malz in der Luft. Ganz in der Nähe: eine der großen Mälzereien der Region. Mitten in dieser jahrhundertealten Bierkultur hat ein Unternehmen seinen Sitz, ohne das viele dieser Biere niemals gebraut würden: die KASPAR SCHULZ Brauereimaschinenfabrik & Apparatebauanstalt GmbH. Doch auch in einem traditionsreichen Betrieb wie diesem geht nichts ohne professionelle Schweißtechnik.
Alle Informationen auf einen Blick
- Älteste Brauereianlagen-Manufaktur der Welt
- Einzelstücke statt Serie: Fertigung mit Anspruch
- Edelstahl und Zwangspositionen
- Bewährte WIG-Schweißtechnik von ABICOR BINZEL
- xFUME®-Technologie: saubere Luft im Tank und in der Schweißerei
- Nachwuchs, Leidenschaft und Optimierung mit Augenmaß
- Kleine Anekdote am Rand
- Technik, die man schmeckt
- Dokumentation
Das im Jahr 1677 als kleine Kupferschmiede gegründete Familienunternehmen, das mittlerweile in zehnter Generation geführt wird, ist die älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt. In Bamberg ist es der älteste noch existierende Industriebetrieb. Weltweit ist es die einzige Firma, die Leistungspakete aller drei Segmente – Brauen, Mälzen und Destillieren – aus einer Hand bietet. Heute beschäftigt KASPAR SCHULZ über 140 Mitarbeitende, davon der überwiegende Teil in der Fertigung.
Seit den 1970er‑Jahren ist das Unternehmen am heutigen Standort am Stadtrand von Bamberg ansässig. 2014 wurde eine neue Produktionshalle eröffnet – mit einer markanten, metallisch gebürsteten Fassade. Das Design wurde von der eigenen Geschäftsführung selbst entworfen: Johannes Schulz-Hess, der das Unternehmen seit 2008 leitet, ist ausgebildeter Architekt und hat die Fassade der neuen Halle am heutigen Standort in der Kaspar-Schulz-Straße 1 selbst entworfen.
Etwa 60 Fachkräfte aus dem Anlagen- und Behälterbau schweißen täglich. Dies ist ein klares Zeichen dafür, welche Rolle das Handschweißen im Unternehmen spielt. „Schweißen ist für uns keine Randtechnologie – es ist das Herzstück unserer Fertigung“, erklärt Daniel Nüßlein, Schweißaufsicht bei KASPAR SCHULZ.


KASPAR SCHULZ fertigt Sudhäuser bis 300 Hektoliter, Mälzungssysteme, Anlagentechnik, Gär‑ und Lagertanks – sowohl gekühlt als auch ungekühlt – ausschließlich aus Edelstahl. Das traditionelle Kupferhandwerk wird bis heute fortgeführt und findet hauptsächlich Anwendung in der Herstellung von Destillationsanlagen und Kupferverkleidungen für Sudhäuser.
Beim Betreten der Fertigungshalle erinnern uns die Geräusche ein wenig an Schiffswerften. Das Surren der vielen WIG-Brenner wird immer wieder durch laute Schläge auf großflächiges Metall unterbrochen. Klar, ab und an muss auch mal etwas gerichtet werden. Gehörschutz ist auf jeden Fall ein Muss. Jedes neue Produkt ist eine Einzelanfertigung, die exakt an Raum, Rezeptur und Anforderungen des Kunden angepasst ist. Automatisierung oder Robotik spielen dabei bislang kaum eine Rolle. Am Ende gilt für alle Anlagen: Wo SCHULZ drauf steht, ist auch SCHULZ und »Made in Bamberg« drin. Vom ersten Schritt der Fertigung bis hin zur Inbetriebnahme
Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: komplexe Geometrien, große Bauteile und häufig eingeschränkte Zugänglichkeiten erfordern höchste Anpassungsfähigkeit und handwerkliches Können. „Unsere Anlagen sind Einzelstücke. Dafür braucht es Erfahrung, Flexibilität und Menschen, die ihr Handwerk beherrschen“, so Patrick Fuchs, Produktionsleiter bei KASPAR SCHULZ.
Geschweißt wird überwiegend mit dem Wolfram-Inertgas-Schweißverfahren (WIG). Dieses Verfahren bietet die notwendige Präzision, Oberflächenqualität und Prozesssicherheit, die im hygienisch sensiblen Behälterbau unerlässlich sind.
MIG/MAG kommt lediglich bei Basisstrukturen für Sudhäuser oder Lagerbehälter zum Einsatz – etwa bei sogenannten »Elefantenfüßen«, die später die Tanks tragen und im Boden verankert werden. Doch auch hier gilt: Edelstahl ohne Ausnahme. Alle Mitarbeitenden im druckbelasteten Behälterbau verfügen über die entsprechenden DVS‑Zertifizierungen, die regelmäßig erneuert werden müssen.
Die größte Herausforderung liegt oft nicht im Material, sondern im Arbeitsumfeld. Viele Schweißarbeiten finden im Inneren der Tanks statt. Die Einstiegsluken sind schmal, die Platzverhältnisse beengt, die Körperhaltungen zwangsläufig ungünstig.
„Da kommst du teilweise kaum rein – mit Schweißhelm schon gar nicht“, berichtet Dennis Kampa, WIG‑Schweißer mit über zehn Jahren Erfahrung im Unternehmen.
Zum Einsatz kommen daher spezielle, besonders flache Schweißmasken, die sehr futuristisch in Silber glänzen und stark an »Star Wars« erinnern. Favorisiert werden von den Schweißfachkräften jedoch flexiblere Lösungen aus runden Schutzgläsern mit integriertem Lederschutz.
„Da kommst du teilweise kaum rein – mit Schweißhelm schon gar nicht“
Dennis Kampa


Im gesamten Werk bei KASPAR SCHULZ prägen WIG‑Brenner von ABICOR BINZEL das Bild. Seit vielen Jahren kommen hier verschiedene Generationen von WIG-Schweißbrennern, wie die der ABITIG®‑Serie zum Einsatz – von Standard-Brennern wie dem ABITIG® GRIP und dem ABITIG GRIP Little bis zu Varianten mit flexiblem Brennerhals. „Wir arbeiten schon sehr lange mit BINZEL‑Brennern. Die Dinger laufen einfach. Und wenn mal was ist, wissen wir, wen wir anrufen“, hebt Daniel Nüßlein hervor.
KASPAR SCHULZ nutzt auch die flexiblen WIG-Brennerhälse von ABICOR BINZEL, damit für die Schweißfachkraft das Schweißen auch an schwer zugänglichen Stellen wie bei den Rohrleitungen erleichtert wird und diese gut und sicher ausgeführt werden können. Große Gaslinsen und Jumbo‑Gasdüsen sorgen für eine stabile Schutzgasabdeckung, was entscheidend ist, um Oxidation und Verfärbungen zu vermeiden. Zusätzlich wird häufig formiert, das heißt, jemand lässt beim Schweißen eines Tanks von außerhalb Gas in die zu schweißende Fuge strömen, während von innen gleichzeitig geschweißt wird. Damit wird die Wurzel vor Verunreinigungen geschützt.


Viele Schweißarbeiten finden im Inneren der Tanks statt. Werden im Inneren eines Behälters Schweißarbeiten ohne Schweißrauchabsaugung durchgeführt, ist die Schweißfachkraft besonders stark den Rauchgasen aus dem Prozess ausgesetzt. Daher spielt bei Arbeiten im Behälterinneren der Gesundheitsschutz eine zentrale Rolle.
Hier setzt KASPAR SCHULZ gezielt auf Absaugbrenner und die Absauggeräte der xFUME® TIG‑Linie von ABICOR BINZEL. „Wenn du im Tank sitzt, willst du die Dämpfe nicht im Gesicht haben. Der Absaugbrenner macht da einen echten Unterschied“, erklärt Dennis Kampa aus der Praxis. Die Absaugung direkt an der Entstehungsstelle reduziert die Belastung spürbar, ohne die Beweglichkeit beim Schweißen einzuschränken. Für das WIG-Schweißen im Behälterbau werden im Traditionsunternehmen zunehmend die Schweißrauch-Absaugbrenner eingesetzt.
Im MIG/MAG-Bereich – intern die Schweißerei genannt – setzt KASPAR SCHULZ beim Schweißen von zum Beispiel »Elefantenfüßen« als Basis für die Edelstahlbehälter, auf den xFUME® PRO-Absaugbrenner mit passendem Absauggerät.


„Was wir hier schweißen, hält 50 oder 60 Jahre.“
Louis Albrecht
KASPAR SCHULZ investiert gezielt in Ausbildung. Ein Beispiel sind Louis Albrecht und Louis Neuberth, die gerade ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen haben und bereits Preisträger beim bayerischen Jungschweißer‑Wettbewerb sind, der vom Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) initiiert wird. „Was wir hier schweißen, hält 50 oder 60 Jahre. Und am Ende wird darin Bier gebraut – das macht einfach stolz“, sagt Bayerns bester WIG-Jungschweißer Louis Albrecht, der aktuell für seinen Vater Outdoor-Küchen baut und sich natürlich auch einen Schweißbrenner von ABICOR BINZEL privat gekauft hat.
Viele Mitarbeitende identifizieren sich stark mit dem bayerisch-herzlichen Familienunternehmen. Nicht zuletzt durch gemeinsame Veranstaltungen wie das SCHULZ Bierfestival, zu dem alle Mitarbeitenden sowie die Bier-, Brau- und Getränkebranche zum Standort nach Bamberg eingeladen werden. Für die Vorbereitungen helfen alle mit, um dieses Event mit rund 500 Teilnehmenden, bei dem über 100 Bierspezialitäten aus aller Welt ausgeschenkt werden, die auf Anlagen aus Bamberg gebraut wurden, zu einer gelungenen Veranstaltung zu machen.
Große Automatisierungsschritte sind derzeit nicht geplant. Stattdessen liegt der Fokus auf gezielter Prozessoptimierung. Ein Thema: WIG-Kaltdrahtzuführung. „Bei langen Nähten sehen wir Potenzial, mit Kaltdraht schneller und gleichmäßiger zu werden“, erklärt Daniel Nüßlein mit Blick auf zukünftige Projekte wie etwa mit dem Drahtvorschubgerät ABIDRIVE V2 von ABICOR BINZEL.
Unser kleines Team übernachtete für den Besuch in Bamberg im familiengeführten Hotel Brauerei Gasthof Höhn in Memmelsdorf. Die traditionsreiche Brauerei hatte im Jahr 1962 ihre Lagertanks von KASPAR SCHULZ bekommen. Wir bekamen sogar die digitalisierten Lieferdokumente von 1962 mit den Originalunterschriften gezeigt. Die Hotelchefin konnte sich sehr gut daran erinnern, als sie im Rahmen der Vergrößerung ihrer Hausbrauerei in diesem Jahr die Lagertanks bekommen hatten. Gekrönt wurde das nette und hochinteressante Gespräch mit einer privaten Schulung in fränkischem Dialekt: Warum heißt das Hausbier »Görchla«? Der Begriff steht für »kleiner Georg«. Somit wurde der Name von Sohn Georg, der damals noch klein war, im eigenen Bier verewigt.
Überall dort, wo mit Anlagen von KASPAR SCHULZ gebraut wird, steckt präzises Handwerk dahinter. In der Produktionshalle stehen bei unserem Besuch ein fast fertiges Sudhaus für die Kreuzberger Klosterbrauerei in der Rhön direkt neben einem fertig verpackten Sudhaus, das auf seine Abreise nach Bali wartet. Spätestens da wird klar, dass es nicht nur in Deutschland große Bierliebhaber gibt, sondern auf der ganzen Welt. Ohne KASPAR SCHULZ und die Schweißtechnik von ABICOR BINZEL kämen weniger Menschen in den Genuss von einem »kühlen Blonden mit einer schönen Blume«. Bier genießen – ob in Bamberg oder auf Bali – ohne Schweißen geht es nun mal nicht.
